Entstehungsgeschichte

Das neue Urner Mineralien-Museum in Seedorf ist zwischen 1978 und 1981 in rund dreijähriger Projektierungs- und Realisierurigsarbeit entstanden. Vorgängig hatte es weitere drei Jahre gedauert, bis aus dem im wahrsten Sinn des Wortes «ruinösen» Ökonomiegebäude ein Museums-Rohbau entstanden war. Professof H.R. Sehnhauser hatte die Überreste des ehemaligen Back- und Vorratshauses beim Schloss A Pro im Sommer 1975 baugeschichtlich begutachtet und eine umfassende Restaurierung empfohlen. Diese geschah dann aufgrund detaillierter Pläne im Auftrag des Kantons Uri, der Eigentümer der Liegenschaft ist. Eidgenossenschaft und Heimatschutz unterstützten das Vorhaben mit namhaften Beiträgen, wobei damals - d.h. in den Jahren 1976 und 1977 - noch keine Klarheit über die zukünftige Nutzung des Objektes bestand. Man sprach zwar gelegentlich auch von einem Mineralien-Museum, doch viel öfter war von einem Bauern-Museum die Rede. In UMF-Kreisen hingegen stand das Thema «Mineralien-Museum» nicht erst seit damals auf der Traktandenliste. Bereits in Protokollen aus dem Gründungsjahr 1963 und dann später wieder in solchen aus dem Jahr 1970 kann man nachlesen, dass sich die Vereinigung mit Museums-Plänen befasste. Aber die Träume blieben (vorerst) Schäume. Stets scheiterten die Projekte an der Raumfrage, denn ein passendes Gebäude war zu annehmbaren Konditionen mit dem besten Willen nicht aufzutreiben.
 

Es brauchte eine gehörige Portion Vorstellüngsvefmögen, hier ein Museum zu sehen.

1978 - das Jahr des Durchbruchs


Traktandum 1 der UMF-Vorstandssitzung vom 3. Juli 1978 lautet kurz und bündig:«Orientierung Mineralien-Museum». Präsident Hans Gamma begrüsst als Gast Ludwig Lussmann, der in seiner Eigenschaft als Präsident Natur-, Heimatschutz und Denkmalpflege im Mittelpunkt der Sitzung steht. Er eröffnet den staunenden (und später strahlenden) Vorstands-Mitgliedern, dass der Kanton Uri der Vereinigung UMF die Möglichkeit biete, im ehemaligen Ökonomiegebäude des Schlosses A Pro in Seedorf ein Mineralien-Museum einzurichten und zu betreiben. Alsbald breitet er auf dem Tisch die Pläne von Architekt Bruno Altner aus und schon beginnt der erste (gedankliche) Rundgang durch das zukünftige Urner Mineralien-Museum. Bereits fünf Tage später soll die erste Objekt-Besichtigung in Seedorf stattfinden.

Der UMF-Vorstand besichtigt den Museum-Rohbau

Am 8. Juli 1978 trifft sich der Vorstand in Seedorf. Die Bauarbeiten am Gebäude sind noch voll im Gang - zur Zeit vollzieht sich der Wiederaufbau des Satteldaches. Beim Rundgang im Inneren braucht es eine gehörige Portion Vorstellungsvermögen, hier ein Museum zu sehen, denn momentan ist es vor allen Dingen schmutzig, staubig, eng und feucht, feucht und nochmals feucht. Die Platzverhältnisse in den vier Ausstellungsräumen liegen an der untersten Grenze dessen, was für ein Museum tragbar ist. Hier wird man eindeutig der Devise «Klein aber fein» folgen müssen, sagen wir uns alle. Trotz nicht wegzuleugnender Skepsis überwiegt die Freude über diese grossartige und vielleicht einmalige Chance, hier endlich das eigene Museum verwirklichen zu können. Noch ist sich wohl keiner im klaren, wie weit (und steinig) der Weg bis zur Eröffnung im Mai 1981 noch werden würde . . .

Das Ziel steht fest - der Weg wird abgesteckt

Zehn Wochen später trifft sich der Vorstand wieder - die Sitzung vom 21. Septemher ist ganz dem Thema Mineralien-Museum gewidmet. Heute muss der folgenschwere Entscheid fallen, ob die grosszügige Offerte des Kantons angenommen oder ausgeschlagen wird. Zwei wichtige Dokumente dienen als Entscheidungsgrundlage: a) der Mietvertrag des Kantons Uri, aus dem hervorgeht, dass uns die Liegenschaft zwar mit verschiedenen Auflagen, aber grundsätzlich mietfrei überlassen wird, b) das Museums-Leitbild, das im UMF-Vorstand für die heutige Sitzung ausgearbeitet wurde. Wir zitieren hier einige Kernpunkte aus dieser Wegleitung:

1. AUSGANGSLAGE
Der Regierutigsrät des Käntöris üri - vertreten durch die Baudirektion - vermietet den «Urner Mineralien-Freunden» das renovierte ehemalige Ökonomiegebäude beim Schloss A Pro in Seedorf gemäss Mietvertrag vom 9. Febr. 1979. Die UMF errichten und betreiben in diesem Gebäude das «Urner Mineralien-Museum».

2. GRUNDHALTUNG
Die Grundhaltung des Museums wird bestimmt durch fachlich fundierte, aber zugleich publikumswirksame Aktivitäten. Die zu schaffende Institution stellt damit mittel- und längerfiristig eine eindeutige Bereicherung des kulturellen und touristisehen Angebots des Kantons Uri dar.

3. ZIELSETZUNG
3.1. Das «Urner Mineralien-Museum» soll durch kontinuierliche und qualifizierte Aufbauarbeit zum führenden Mineralien-Museum der Region Zentralschweiz werden.
3.2. Das «Urner Mineralien-Museum» will durch seine Aktivitäten einerseits den Mineralien-Fachmann und anderseits ein möglichst breites Laienpublikum ansprechen und zu einem attraktiven fachlichen und touristischen Anziehungspunkt für Besucher aus dem In- und Ausland werden.
3.3. Das «Urner Mineralien-Museum» will sich durch ein eigenständiges Ausstellungskonzept von vergleichbaren Institutionen in der Schweiz unterscheiden und dem Besucher in mancherlei Hinsicht ein lohnenswertes, intensives Ausstellungs-Erlebhis vermitteln! Dazu gehören:
a) Positive äussere Voraussetzungen: Zentrale Lage inmitten einer gut frequentierten Fremdenverkehrsregion im Herzen eines weltbekannten, ausgedehnten Mineralien-Fundgebietes; Verfügbarkeit eines sorgfältig restaurierten Ausstellungsgebäudes in historischem Umfeld.
b) Besucherorientiertes Ausstellungskonzept: Qualitativ hochstehendes Ausstellungsgut durch Spezialisierung auf alpine Schweizer Mineralien mit Schwergewicht auf den Fundorten im Kanton Uri und den angrenzenden Gebieten. Attraktive Präsentationsform der ausgestellten Mineralien Ergänzendes Angebot an informierenden und aktivierenden Ausstellungselementen wie Film, Tonbildschau, Vorführungen, etc. Zurvorkommende Betreuung der Besucher in fachlicher und persönlicher Hinsicht
3.4. Betrieb und Unterhalt des «Urner Mineralien-Museums» sollen kostendeckend erfolgen. Das bedeutet, dass die Besucher ein angemessenes Eintrittsgeld zu entrichten haben.

4. VORGEHEN
Eine UMF-Arbeitsgruppe «Mineralien-Museum» wird sich im Verlauf der Detailplanung u.a. mit folgenden Aufgabengebieten zu befassen haben:
4.1. Detailliertes Gesamtkorizept
4.2. Ausstellungsgut (Ständige Ausstellung, Sonderausstellungen, Studiensammlungen)
4.3. Raumprogramm und Innenraumgestaltung
4.4. Präsentations-Technik und technische Zusatzeinrichtungen
4.5. Werbung und Information
4.6. Betrieb und Unterhalt
Für alle Teilgebiete sind aufgrund des Geisämtkonzeptes die Rahmenbedingungen festzulegen, Ideenkataloge auszuarbeiten sowie Termin-, Massnahmen- und Kostenplane zu erstellen.

«Grünes Licht» durch die 16. UMF-Grenerversammlung

Die Teilnehmer der 16. UMF-Generalversammlung in Amsteg sanktionieren die Vorarbeiten und den Entscheid des Vorstandes in eindrücklicher Geschlossenheit. Neben Präsident Hans Gamma setzen sich auch die Herren Ludwig Lussmann und Valentin Sicher mit überzeugenden Argumenten für das zukünftige Museum ein. Somit ist dem UMF-Vorstand «Grünes Licht» für die Weiterplanung gegeben.

Eine Informationsreise - mannigfaltige Erkenntnisse

Nachdem der Urner Landrat dem UMF-Müseüms-Leitbild zugestimmt hat, müss der Innenausbau des Gebäudes an die Hand genommen werden. Als erstes gilt es die Frage der «Elektrifizierung» zu klären! Damit sind wir bereits mit einem Kernproblem jedes Mineralien-Museums - der Beleuchtungs- und Vitrinerifrage - konfrontiert. Der Vorstand beschliesst, im Rahmen einer zweitägigen Informationsreise drei Museen zu besichtigen: Das Internationale Uhrenmüseum in La Chäüx-de-Föncls (Baujahr 1974), das Greyerzer Museum in Bulle (Baujahr 1978), die Mineraliensammlung des Naturhistorischen Museums in Bern.
Den UMF-Vorstandsmitgliedern schliesst sich Joe Grüninger, Chef des Kantonalen Hochbauamtes Uri, an. In La Chaux-de-Fonds und Bulle werden wir durch den für die beiden Museen zuständigen Innenarchitekten S. Tcherdyne aus Lausanne sehr fachkundig und zuvorkommend beraten und betreut. Drei Haupterkenntnisse werden gewonnen: Als Vitrinenmaterial soll das leichte und superlichtdurchlässige Acryl zur Anwendung gelangen, wobei auf hundertprozentige Staubdichtigkeit zu achten ist. Die Beleuchtungskörper werden stets ausserhalb der Vitrinen angebracht, damit die Wärme den Mineralien nicht schaden kann. Der Beizug eines erfahrenen Ausstellungs-Gestalters drängt sich auf.

Dialog mit der Heimatschutzkommission

Im Anschluss an einen Baustellenbesuch werden von der Heimatschutzkommission 21 Beanstandungen bzw. Auflagen unterbreitet, von denen 10 den Innenausbau und damit die eigentliche Museums-Gestaltung betreffen. In Zusammenarbeit mit dem Architekten und dem Hochbauamt legt der Vorstand seinen Standpunkt klar. Damit auch Sie, lieber Leser, ein wenig miterleben können, um was für knifflige Detailfragen die Diskussionen sich drehten, lassen wir hier einige «Müsterchen» aus den Unterlagen folgen:

Auflage Heimatschutzkommission

Stellungnahme UMF

Entscheid Arbeitsgruppe

Ziffer 14
Der Boden im grossen Raum soll als Guss-Estrich auf Basis des Ausflugmörtels mit verschiedenfarbigern Rundkorn-Zuschlag 0 - 10 mm ausgeführt werden.

Mörtelguss-Estrich ist für Museumszwecke absolut unbrauchbar, da er zu grosser Staubentwicklung fiihrt. Wir würden SandSteinboden oder Bruchplatten analog Raum 3 den Vorzug geben.

Der Boden muss nicht mit Guss-Estrich ausgeführt werden. Es wird mit ge brochenen Felsplatten und Kalkmörtelfugen erstellt. Auf keinen Fall Sandstein oder Tonplattenboden.

Ziff. 21
Die alten Verputzflächen in Backstube, Lager und Keller sollen erhalten bleiben.

Wir verstehen das Anliegen, die alten Verputzflächen zu erhalten, doch diese müssten so verfestigt werden, dass keine Abrieselung entstehen können, ansonst die AcrylVitrinen Schaden nehmen würden.

Die alten Verputzflächen sind unter allen Umständen zu belassen, wobei eine Verfestigung mit einem Spezialmittel nicht ausgeschlossen ist.

Die Beispiele zeigen, wie schwierig die Restaurierung und Nutzbarmachung eines geschützten, historisch wertvollen Gebäudes für alle Beteiligten ist. Es ist sicher erfreulich, dass alle Kontakte mit den erwähnten Instanzen stets von Sachlichkeit und Toleranz geprägt waren.

Die Projektierungsarbeiten beginnen an mehreren Fronten

Wie im Museums-Leitbild festgehalten, setzen nun die eigentlichen Konzeptarbeiten in verschiedenen Teilbereichen ein. Damit beginnt auch die eigentliche Beiastüngs- und Bewährungsprobe für den neunköpfigen UMF-Vorstand und später für die zusätzlich eingesetzte Museüms-Kömrriission."Bei den acht im Jahre 1979 durchgeführten Vörstandssitzüngeri dominiert das Thema Mineralien-Museum die Träktarideniiste eindeutig. Jedes Vorstandsmitglied befasst sich entsprechend seinen Neigungen und Erfahrungen mit einem bestimmten Teilgebiet.
Viel zu reden gibt naturgettiäss das eigentliche Ausstellungskonzept und die Frage der Informations-Gestaltung. Für die Ausstellungs-Technik ziehen wir den Gestalter Karl Iren bei, der aufgrund seiner Praxis zielsicher den richtigen Weg findet.


weiteres folgt!